Gemeinde wirkt Bevölkerungsrückgang entgegen

Andreas Tiefensee referierte zum demografischem Wandel in Löhnberg

Gemeinde wirkt Bevölkerungsrückgang entgegen

Andreas Tiefensee referierte zum demografischen Wandel in Löhnberg 

Der demografische Wandel, das heißt die Veränderung der Altersstruktur einer Bevölkerung, wird in den kommenden Jahren auch vor Löhnberg nicht Halt machen - die Menschen, die dort leben, werden weniger und im Schnitt älter sein. Doch es gibt Hoffnung: Lag der Rückgang der Bevölkerung in den vergangenen acht Jahren bei knapp sieben Prozent, könnte sich die Einwohnerzahl von derzeit 4200 bis zum Jahr 2020 nur um etwa 2,7 Prozent verringern und dann bei rund 4100 Personen liegen.

Diese Mut machende Prognose präsentierte der Weilburger Ortsvorsteher Andreas Tiefensee den Löhnberger Fraktionsvertretern bei der Vorstellung seiner statistischen Auswertungen im Rathaus. Der ehemalige Bankdirektor hat im Auftrag der Gemeinde die demografische Entwicklung Löhnbergs sowie seiner Ortsteile Niedershausen, Obershausen und Selters bis 2020 untersucht. Jede kommunale Einheit habe ihre eigene Altersstruktur, ihre Standortbedingungen, ihre Möglichkeiten zur Veränderungen und nicht zuletzt ihre eigene demografische Entwicklung, so Tiefensee. Eines haben fast alle Kommunen gleich: Die Bevölkerungs-Pyramide hat schon längst nicht mehr die Form einer Pyramide und wird sich eindeutig noch weiter nach oben verschieben. Das ist auch in Löhnberg nicht anders. Ebenso wie in Bund und Land ist auch in Löhnberg die Zahl der Neugeborenen zurückgegangen – in der Zeit von 2000 bis 2010 um 43 Prozent. Durch verschiedene Maßnahmen seitens der Kommune wie zum Beispiel Gebührenfreiheit für die Kinderbetreuung von 0 bis 10 Jahre sei jedoch mit einer Stabilisierung zu rechnen, geht Tiefensee davon aus, dass es bis 2020 jährlich etwa 30 Neugeborene in Löhnberg geben wird. Mit einem besonders starken Rückgang ist in der Altersgruppe 20 bis 50 Jahre zu rechnen, was mit dem „Pillen-Knick“ und einem extremen Geburten-Rückgang in den Jahren 1964 bis 1970 verbunden ist. Leben derzeit 1543 Personen im Alter von 20 bis 50 Jahren in der Gemeinde, so werden es in zehn Jahren rund 180 Menschen weniger sein. Das wiegt für eine Gemeinde insofern schwerer, da dies die Altersgruppe mit der aktivsten Zeit des beruflichen Lebens ist. Und nicht nur das: In diesem Alter werden Menschen heiraten, Kinder bekommen, einen Beruf ergreifen, sich selbstständig machen und Arbeitsplätze schaffen, ein Haus bauen und vieles mehr. Dagegen wird die Zahl der 50- bis 65-Jährigen in Löhnberg, die sich derzeit von 862 beläuft, in den nächsten zehn Jahren um 160 Personen ansteigen. Noch stärker ist der Anstieg in der Altersgruppe 75+, die um 38 Prozent auf 632 Einwohner anwachsen wird. In dieser Altersgruppe besteht ein expotenziell steigender Bedarf an gesundheitlicher, medizinischer, pflegerischer und allgemein menschlicher Betreuung. Da das Angebot an stationären Pflegeplätzen zurzeit über dem Bedarf Löhnbergs liege, dürfte es etwa dem Bedarf von 2020 entsprechen, so Tiefensee in seinen weiteren Ausführungen. Welche Entwicklung Löhnberg bis zum Jahr 2020 nehmen wird, ist nach Ansicht des Experten in erster Linie davon abhängig, ob durch die eingeleiteten Maßnahmen die Abwanderung der zurückliegenden zehn Jahre gestoppt werden kann. Die familienfreundliche Gemeinde wuchert da insbesondere mit ihrem Pfund der beitragsfreien U3- und Kita-Plätze. Aber auch das Angebot an Bauplätzen und eine gute Infrastruktur sind wichtig, damit wieder mehr Menschen nach Löhnberg ziehen. Alles zusammen könne dazu beitragen, dass die Zahl der Menschen, die  nach Löhnberg ziehen, pro Jahr um zwölf höher liege als die Zahl derjenigen, die der Gemeinde den Rücken kehren. Unter Berücksichtung von 30 Neugeborenen und 50 Sterbefällen führe das zu der Abnahme der Löhnberger Bevölkerung um 2,7 Prozent, zog Tiefensee ein Fazit seiner Auswertungen.

Für Bürgermeister Dr. Frank Schmidt  zeigen die Ausführungen von Andreas Tiefensee interessante Aspekte, wie eine kleine Kommune individuell auf die demografische Entwicklung einwirken kann. Während die Gemeinde bei den jüngeren Menschen bereits erste Maßnahmen erfolgreich eingeleitet und ihr Profil als familienfreundliche Kommune gestärkt habe, gelte es nun auch auf die Veränderungen in den anderen Altersgruppen zu reagieren, so der Rathauschef abschließend.